08, Okt 2015

Großspurig habe ich vor unserer Abreise gesagt das ich mein Handy abschalte – nun ja – hier bin ich!

In den letzten Monaten habe ich mich mit meinen Blogeinträgen schwer getan und genau deshalb gab es auch nichts aus der Schönbach`schen Großfamilie zu lesen. Ich war müde, ausgebrannt und mein Kopf war so voller Gedanken, dass ich diese nicht mehr ordnen konnte. So viele Baustellen auf einmal – ja ich war leicht überfordert. Ein ganzes Jahr Arbeit mit vielen Höhen und Tiefen und die Familie haben meine Energiereserven aufgebraucht. Das merke ich vor allem daran, dass ich die meiste Zeit müde bin und schlafen könnte.

Nun liege ich hier – im Saunabereich des wunderschönen Hotels Anker`s Hörn – mit Blick auf die stürmische und verregnete Nordsee, genieße die absolute Ruhe (… denn ich bin gaaaaanz alleine!!! Ohne Kindergebrüll oder den Papi dazu, der die Rasselbande zurechtstutzen muss) und habe das Bedürfnis von unserem Urlaub auf der Hallig Langeneß in der Nordsee, zusammen mit unseren wundervollen Freunden zu schreiben.

Viele würden nicht einmal ansatzweise das Wort URLAUB in den Mund nehmen, wenn man mit insgesamt 6 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 9 Jahren gute 10 Stunden mit Auto und Fähre auf eine kleine Hallig in der Nordsee fährt. Christian und ich waren bereits vor 4 Jahren zur Erholung hier auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde. Damals war es unsere kleine Hochzeitsreise. Ich war 4 Wochen vor der Entbindung meines absoluten Wunschkindes, welches sich derzeit als die größte Ziege der Welt herausstellt. Damals hatten wir uns schon in die Hallig Langeneß verliebt. Die Ruhe verbunden mit endlos langen Wiesen und dem Meer fesseln einen einfach.

DSC_2979

Nun gut – mit der Ruhe ist es jetzt gerade vorbei – denn wir sind da! Komischerweise lief unsere Autofahrt bis kurz nach Hamburg optimal. Die Kinder haben geschlafen und die Autobahn war frei. Nach knapp 5 Stunden Autofahrt kam die erste Pause mit der Feststellung meines Mannes, dass er als Diabetiker mit derzeitiger Ausbildung zum Diabetesberater doch tatsächlich sein ganzes! Insulin daheim im Kühlschrank vergessen hatte. Ich hätte ihn umbringen können! Ehrlich!!! Wie kann IHM nur so etwas passieren? IHM!!! Er trägt mir doch ständig alle Sachen hinterher! Nun gut … Nach dem ersten Schock folgte der Blick auf die Uhr und die Erkenntnis das wir unsere Fähre 10 Uhr trotz des Zwischenschieben eines Arztbesuches und der Suche einer Apotheke schaffen müssen. Dank GOOGLE fanden wir einen Allgemeinmediziner kurz vor dem Fährhafen, dessen Arzthelferin mir schon im Vorfeld am Telefon versprach uns zu helfen. Und tatsächlich – es klappte alles wie am Schnürchen! Das Rezept wurde in der Zeit einer Zigarettenlänge ausgestellt und gleich um die Ecke war eine Apotheke, die das richtige Insulin parat hatte. Urlaub gerettet? Denkste!

Nach einer wundervollen zweistündigen Fährüberfahrt mit Blick auf die Seehundsbänke und deren Bewohnern kamen wir in unserer „Alptraum Ferienwohnung“ an. Dreckige Räume mit toten Fliegen an der Decke, Spinnen in den Ecken und hinter den Möbeln sitzend, defekten Fußböden, vermüllten Schränken (da hatten die Vermieter doch tatsächlich ihren eigenen Hausrat übereinander gekippt) und schimmeligen Wänden !!! Das Zimmer der beiden Jungs roch wie in einem moosigen Wald und unser Schlafzimmer konnten wir gar nicht benutzen. Nachdem wir das Bett gerückt haben und dahinter eine rund 2×1 Meter große Fläche mit Schimmelflecken an der Wand (vergraben unter etlichen Spinnenweben) gefunden haben, schliefen Christian und ich auf dem Fußboden im Wohnzimmer. Am nächsten Morgen folgte der Anruf beim Tourismusbüro und der tränenreiche (vor Freude!) Umzug in eine absolute Taumwohnung direkt am Meer. Katja und Thorsten haben uns in ihrem „PANAMA“ herzlich aufgenommen und nach diesem Schreck erst einmal mit Sekt versorgt. Ja und was soll ich sagen – hier ist es wunderbar!

12143236_1070443822973795_4931595729276492194_n

Das Meer liegt direkt vor unserem Wohnzimmer mit Blick auf die Insel Föhr. Am Abend sind wir umzingelt von den blinkenden Leuchttürmen der umliegenden Inseln. Ebbe und Flut wechseln sich ca. aller 6 Stunden ab. So konnte ich gestern Morgen mit dem Schönbach`schen Nachwuchs Nr. 2 und Nr. 3 rund einen Kilometer ins Watt hinaus laufen, bis uns die Wasserkante den Weg kreuzte. Die Natur hier ist so faszinierend – auch wenn die Idylle dort draußen durch das ständige „ich kann nicht mehr laufen“, „mir tun meine Beine weh“, „der Wind ist so nass“ (es hatte leicht gestürmt und genießelt) oder „meine Beine haben so viel Hunger das sie nicht mehr laufen können“ gestört wurde und die letzten Meter durch das Watt zurück, an meiner Geduld und Verständnis für Kind Nr. 3 gezerrt haben. Unterm Strich werde ich beim nächsten mal alleine durch das Watt stiefeln.

DSC_3182

Jeder der einen Einblick in unser Familienleben hat weiß, wie chaotisch es bei den Schönbachs sein kann. Deshalb möchte ich hier an dieser Stelle meinen größten Respekt an unsere Freunde Mike und Julia aussprechen, die dieses Abenteuer mit uns aufgenommen haben und einen ihrer schönsten Momente im Leben mit uns teilten. Am Sonntag morgen bin ich extra auf die Kirchwarf gelaufen um den Gottesdienst zu besuchen. Die historische Kirche hier auf der Hallig hatte mich bereits vor 4 Jahren verzaubert und den Wunsch geweckt, hier einmal einen Gottesdienst zu erleben. Da ich mittlerweile etwas im Zwiespalt mit dem lieben Gott stehe fühle ich mich „in seinem Haus“ etwas fehl am Platz. Ich wurde positiv überrascht. Ich dachte auf der Hallig, wo rund 110 Einheimische leben, wurde die Zeit irgendwann angehalten und die strengen Vorschriften eines Gottesdienstes werden strickt eingehalten. Auch hier wurde ich wieder eines besseren belehrt. Ich traute meinen Ohren nicht als der Pfarrer während der Predigt das doch sehr brisante Thema Flüchtlingshilfe einbrachte. Begeistert lief ich zu unserer Warf zurück wo das nächste „Halleluja“ auf mich wartete. Julia streckte mir einen silbernen Ring an ihrem Finger entgegen und sagte das sich Mike schon mal an ihren Nachnamen gewöhnen muss. Ein Wunder ist geschehen … nachdem wir Mike seit Monaten sämtliche Hochzeitsvideos auf Facebook vorspielen und ihm ein schlechtes Gewissen einredeten, das er zwei uneheliche Kinder gezeugt hat „lach“, hat er Julia einen Heiratsantrag gemacht. Und das beste daran ist – Julia hat JA gesagt! Für die nächste Hochzeit ist also gesorgt. Danke Mike!

DSC_3238

Mike und Christian sei es DANK, das es hier auf der Hallig auch eine ordentliche Notfallversorgung gibt. Krankheitsbedingt ist diese ausgefallen und da unsere Männer hervorragend darin sind, Menschen in Not zu helfen, fahren sie nun mit dem „RTW“ (ein grüner Renault Kangoo) mit Defibrillator im Kofferraum, auf der Hallig herum.

DSC_3007

Nun genießen wir bereits seit einer Woche die steife Briese die uns die Nordsee um die Nase weht. Wir sind viel an der frischen Luft, waren Bernsteinanhänger schleifen und haben den Lorendamm angeschaut. Wir haben erfahren wie die Halligen entstanden sind, konnten leckere Friesentorte essen, schlafen viel, genießen einfach die Zeit ohne Termine und Verpflichtungen mit den Kindern und sehen gelassener über deren Nörgelei hinweg. Jeden Mittag bekomme ich gleichzeitig den Rücken und die Hände massiert. Im Gegenzug dürfen die Kids TOGGO TV sehen. Das spart mir viel Geld für den Wellnessbereich :-). Mein Buch habe ich mit Blick auf das Meer gelesen – welch ein Luxus in unserer so durchstrukturierten Familienwelt. Und weil es hier so wunderschön und entspannend ist haben wir unsere Fährfahrt umgebucht und bleiben noch etwas länger. Vielleicht schaffen wir es ja doch noch unser erstes „Land unter“ zu erleben.

Entspannte Grüße von einem der schönsten Fleckchen der Erde sendet Euch Marleen.
Ich freue mich Euch am Montag mit geladenen Energietanks und vielen kreativen Ideen im Lädchen zu sehen.

DSC_3225